Meine „Krankenakte“

Bei mir wurde 2013 im Alter von 24 Jahren das Lipödem diagnostiziert. Ich bin zu der Diagnose gekommen, weil ich abends meine Reitstiefel nur bis zur Hälfte hochziehen konnte, wohingegen sie morgens gut passten. Mit dieser Beobachtung ging ich zu meinem Hausarzt gegangen, der daraufhin eine Thrombose ausschloss, meine Organe und eine Schilddrüse untersuchte und meine Blutwerte überprüfte. Hier war alles in Ordnung und er schickte mich zur Sicherheit noch zu einem Gefäßchirurgen, der glücklicherweise auch Phlebologe war und das Lipödem diagnostizierte.

Dann begann eine schreckliche Zeit der Ungewissheit über den richtigen Umgang mit meinem Lipödem, denn der Phlebologe hat mir außer einer Liposuktion keine Alternativen geboten. Eine Operation kam für mich nicht in Frage, zumindest nicht, bis ich alles über diese Krankheit in Erfahrung gebracht habe. Ich bin also eine Weile von Arzt zu Arzt gerannt, bis mir endlich einer in einem Arztbrief die Empfehlung für einen Reha-Aufenthalt in einer Fachklinik aussprach. Mit diesem Arztbrief bin ich zu meinem Hausarzt, welcher mir dann den Reha-Antrag ausfüllte. Nach einigen Auseinandersetzungen mit der Rentenversicherung wurde schließlich der Reha-Aufenthalt in einer lymphologischen Fachklinik meiner Wahl genehmigt.

Von da an wurde alles anders… Ich habe in der Klinik schlimme Dinge gesehen und furchtbare Geschichten gehört. Glücklicherweise waren ein paar Leidensgenossinnen da, die sich nicht haben hängen lassen und mit denen ich gemeinsam neuen Mut schöpfen konnte. Aus dieser Situation heraus entstand auch die Idee für diese Plattform. In der Klinik habe ich viel über diese Krankheit gelernt und die richtige Behandlung konnte endlich beginnen.

Seither habe ich an jedem einzelnen Tag meine Kompressionsstrümpfe an Armen und Beinen getragen und war fast jeden Abend eine Stunde in Lympha Press-Gerät. Ich habe Zucker und Alkohol sehr konsequent aus meinem Leben gestrichen, sonst aber keine Diät gemacht. Ich hatte auch vor der Diagnose keine Essstörung und keine nennenswerten Fettreserven. Ich habe mich viel bewegt (3 – 5 mal die Woche Reiten, Spazieren mit dem Hund und ab und zu Schwimmen), das habe ich allerdings schon immer getan…

Nun das erfreuliche Ergebnis, ein knappes Jahr nach meinem Reha-Aufenthalt…. Ich habe durch oben beschriebenes Verhalten ganze 14,5 kg verloren. Ich habe keine Schmerzen mehr und meine Beine haben nun eine annähernd normale Form 🙂

Was das Lipödem in Zukunft mit mir anstellt, weiß niemand, der Chefarzt der Fachklinik antwortete mir auf diese Frage: „Ich bin Arzt und kein Prophet…“. Die Entwicklung dieser Krankheit ist wohl in hohem Maße von der Selbstdisziplin der betroffenen Person abhängig. Deshalb hoffe ich, dass ich euch durch meine „Krankenakte“ etwas ermutigen konnte und zeigen konnte, dass sich der Aufwand mit den ungeliebten Strümpfen wirklich lohnt…

Mona